Weinbau, Wein- & Walderlebnispfad – Geschichte

Obersulmer Wein - Die Geschichte

Bereits in den ersten Jahrhunderten dieses Jahrtausends wurde im Gebiet der heutigen Gemeinde Obersulm ausgedehnter Weinbau betrieben. In vielen Urkunden der 6 Ortschaften, die heute in der Gemeinde Obersulm zusammengeschlossen sind, finden sich Kaufverträge aus dem 12. bis 14. Jahrhundert, die Weinbergskäufe zum Inhalt haben.

So beurkundet im April 1262 Abt Heinrich von Comburg, daß der Ritter Bernung von Steinwag einen Weinberg an der Eichhalde bei Affaltrach von dem Ritter Heinrich von Eschenau (Henrico de Esshenowe), genannt Brukezzel (Milite dikto Brukezzel), als völlig freies und unbeschwertes Eigen erworben und nach mehrjährigem Besitz sich Siegel und Brief darüber habe geben lassen. Aus einer Urkunde des Jahres 1274 geht hervor, daß Graf Gottfried von Löwenstein dem Kloster Lichtenstern 20 Jauchert Weinberge geschenkt hat; sie liegen in der Eychhalden, im Hundsberg, im Weiler Berg, 7 Morgen im Salzberg (Salysberc) und in Willsbach am Heerweg.

1277 genehmigt Graf Gottfried von Löwenstein den Verkauf von Gütern und Weinbergen an das Johanniterhaus Hall-Affaltrach.

Die Weinbergsfläche stand sicher der heutigen nicht nach; auf Grund der damaligen ganz geringen Ernten, die vor allem durch tierische und pflanzliche Schädlinge immer wieder dezimiert wurden, betrugen die Ernten lediglich zwischen 5 % und 20 % der heutigen Menge.
Im Jahr 1809 wurden die Weine der 6 Ortschaften amtlich klassifiziert, alle wurden samt und sonders in die erste und zweite Klasse eingeordnet.
Die Trauben wurden in den örtlichen Keltern gepreßt. Alle Keltern befanden sich ursprünglich im Besitz der Ortsherrschaft; um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden die Keltern dann von den Gemeinden käuflich übernommen. So erwarb bei der Lastenablösung 1849 die Gemeinde Eschenau die beiden Keltern von der Ortsherrschaft, in denen auf 6 Torkelpressen der Wein gewonnen wurde.

In Sülzbach hatte die Gemeinde die große Ortskelter mit 5Bäumen und einer Trotte 1834 käuflich von der Herrschaft übernommen.

Das Weinbergsgelände betrug um 1800 = 465 ha; im Jahr 1904 gab der Verlag W. Kohlhammer in Stuttgart eine Beschreibung des Königreichs Württemberg nach Kreisen, Oberämtern und Gemeinden, gefertigt vom königlich-statistischen Landesamt, heraus.

Bei der Beschreibung des Oberamtes Weinsberg ist folgendes zu lesen: "weiter aufwärts im Weinsberger Tal liegen die Weinbauorte ... Sülzbach (52 ha, gute Lage Altenberg), Willsbach (117 ha, Hauptlage Zeilberg, Zeilrain), Affaltrach (60 ha, vorzügliche Lage Salzberg, wo einer der besten Weine im Weinsberger Tal wächst), Eschenau (80 ha, Hauptlage Salzberg, Eschenauer Berg, Edelberg), Weiler (47 ha, vorzügliche Lagen Schlierbach, Weiler Berg, Kechler, mit ausgezeichneten Weinberganlagen des Freiherrn von Weiler), Eichelberg (57 ha, Hauptlage Hundsberg, mit den Weiler'schen Riesling- und Clevner-Anlagen) ...

Über die Weinjahrgänge finden sich in den Archiven viele Aufschriebe. Es wird von gesegneten Weinjahren geschrieben, man liest von Jahren, in denen die Ernte außerordentlich groß war, so daß sie manchmal kaum untergebracht werden konnte. Es ist von einem Jahrgang zu lesen, in dem die Pfarrer den Wein des vorhergehenden Jahrgangs auf den Boden laufen ließen, um Platz für den besseren neuen Wein zu haben. Es wird aber auch von großer Kälte, von Erfrierungen und von saurem Wein geschrieben. Oftmals erfroren die Reben im Winter so stark, daß die Weinberge neu angelegt werden mußten. Es gab aber auch Jahre ohne Schnee und Frost (z. B. 1807 und 1816). Sie hatten dann einen kalten und regnerischen Sommer. Im Jahr 1811 blühten die Blumen und Bäume bereits im März. Der 1846er wird als Jahrhundertwein klassifiziert. Als teuerster Wein wird der 1893er genannt: Eine Flasche kostete bis zu 80 Mark; ein Preis, der auf die ganz kleine Ernte (auf Grund von Dürreschäden) zurückzuführen war. In diesem Jahrhundert können die Jahrgänge 1937, 1945, 1947, 1948, 1949, 1959, 1967, 1969, 1971, 1979, 1981, 1985, 1987, 1989, 1990, 1993 und 1997 als Spitzenjahrgänge bezeichnet werden.

Die Weingärtner der 6 Ortschaften verkauften bis in die 20er Jahre dieses Jahrhunderts ihre Weine an Weinkäufer, die über Generationen den Weingärtnerfamilien verbunden waren. Die meisten Weinkäufer kamen aus den Oberämtern Schwäbisch Hall, Gaildorf, Backnang, Gmünd, Aalen und Heidenheim.

Die Weine wurden als frisch gepreßter Weinmost übernommen und dann mit Weinfuhrwerken, die nicht selten 6spännig gezogen wurden, in diese Gebiete gefahren. Die Fässer, mit neuem Wein gefüllt, wurden mit Blumen geschmückt. Ankunft und Abfahrt der Weinkäufer war immer ein besonderes Fest. Einzelne Güter, wie das Schloßgut in Eschenau oder die Verwaltung des Freiherrn von Weiler, bauten ihre Weine selbst aus und verkauften ausgebaute Weine. Das Schloßgut in Eschenau veranstaltete bis zum 1. Weltkrieg eigene Weinversteigerungen.

Seit den 30er Jahren dieses Jahrhunderts wurden der Weinbau, der Weinausbau und der Weinverkauf von Grund auf verändert. In den 6 Ortschaften wurden örtliche Weingärtnergenossenschaften gegründet. Die Weingärtnergenossenschaften von Affaltrach, Eichelberg und Hösslinsülz haben sich mit der 1924 gegründeten Weingärtnergenossenschaft in Willsbach zusammengeschlossen; diese Genossenschaft umfaßt heute 290 Mitglieder, die 220 ha Rebfläche bewirtschaften. Die Weinbaugenossenschaft Weiler ist als Vollablieferer der Württembergischen Weingärtner Zentralgenossenschaft in Möglingen angeschlossen; die W. G. Eschenau ist seit ihrer Gründung 1947 selbständig.

Neben den Weingärtnergenossenschaften wurde 1928 von Willy Baumann die Schloßkellerei Affaltrach im Anwesen des früheren Johanniterordens in Affaltrach gegründet; heute sind 11 ha eigener Weinbau in Obersulm, eine Erzeugergemeinschaft von 200 Mitgliedern mit 110 ha Rebfläche aus dem Bereich Württembergisch Unterland und eine Sektkellerei angeschlossen.

Eine größere Zahl von privaten Weingütern und nicht zuletzt die vielen alteingesessenen Weingärtnerfamilien vervollständigen die Reihe der Weinerzeuger.

Die heute in aller Welt bekannten Weine aus den Lagen der sechs Ortschaften Obersulms verdanken ihren hervorragenden Ruf dem Zusammenspiel von bevorzugter Natur und modernster Technik bei Kelterung, Anbau und Lagerung. Dazu kommen langjährige Erfahrung und Fachkenntnis.
Wissenswertes über den Wein und dessen Anbau können Spaziergänger am Weinlehrpfad erfahren, der 1996 unterhalb des Zeilbergs eingerichtet wurde.

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